Paten der Nacht ist eine gemeinnützige überparteiliche Organisation zur Eindämmung der Lichtverschmutzung mit Sitz in Deutschland. Seit ihrer Gründung im Jahr 2019 haben sich bereits über 50 ehrenamtlich tätige Team-Mitglieder in Deutschland und Österreich gefunden. Sie alle beraten zum Thema Lichtverschmutzung und zeigen den Menschen gangbare Lösungsmöglichkeiten auf, wie im Sinne des Umwelt- und Artenschutzes verantwortungsvoller mit nächtlichem Kunstlicht umgegangen werden kann.  Im deutschsprachigen Raum ist die Organisation die mittlerweile größte ihrer Art. Die notwendige Fachkompetenz wird über ein breit gefächertes Expertennetzwerk generiert, in das wir integriert sind. Unser Motto:

Licht aus - Nacht an

Denn die natürlich dunkle Nacht ist ein wertvolles Gut, das wir schützen und wahren wollen.

Der Zusammenschluss vieler Gleichgesinnter zu den „Paten der Nacht“ schafft das, was die Nächte immer dringender benötigen: eine große Stimme, um einen viel bewussteren und verantwortungsvolleren Umgang mit Kunstlicht bei den Menschen zu erreichen. Alleine die Eindämmung desjenigen Anteils des Lichtes, der am Zweck vorbei völlig sinn- und nutzlos in den Himmel strahlt, spart riesige Energiemengen ein und reduziert zugleich drastisch die durch Kunstlicht ausgelöste Belastung von Umwelt, Natur und Mensch.

Das Gute: Diese verschwendeten Lichtmengen können mit verhältnismäßig einfachen Mitteln reduziert werden und jeder kann dabei mithelfen. Das „Schlechte“: kaum jemand weiß um alles das. Genau hier setzt unsere Organsiation an: Wir wollen im deutschsprachigen Raum  aufklären, was Lichtverschmutzung ist und wie sie entsteht. Wir wollen ein Problembewusstsein dafür schaffen, welch gravierende Folgen die Lichtverschmutzung für Menschen, Tiere, Pflanzen und Umwelt hat (u.a. Insektensterben). Doch wir wollen auch aufzeigen, dass mit relativ einfachen Maßnahmen Lichtverschmutzung effektiv reduziert werden und dabei wirklich jeder mithelfen kann!

Lichtverschmutzung beschreibt den Vorgang der Aufhellung der Nacht und des Nachthimmels durch künstliches, das heißt elektrisches Licht. Seit seiner Erfindung  vor rund 150 Jahren erhellen wir Menschen damit die Dunkelheit. Da dies nachgewiesenermaßen als eine Art Umweltverschmutzung und damit negativ zu bewerten ist, wird dieser nächtliche Kunstlichteintrag auch als Lichtmüll oder Lichtsmog bezeichnet.

Lichtverschmutzung entsteht insbesondere durch diejenigen Kunstlicht-Anteile, die

  • in Menge und/oder Helligkeit maßlos überdimensioniert sind,
  • mangels Schirmung oder falscher Ausrichtung schräg oder senkrecht nach oben in Richtung Himmel abstrahlen,
  • nutzlos im Dauerlichtmodus vor sich hin leuchten,
  • nur zur Zierde etwas anstrahlen,
  • viele Blauanteile in ihrem Lichtspektrum haben

Helle, glatte oder feuchte Flächen in der Nähe dieser Lichtquellen reflektieren und/oder streuen Licht sehr effektiv und verstärken damit die Negativwirkung. Also beispielsweise Gewässeroberflächen, helle Hausfassaden, feuchte oder nasse Straßen und Wege.

Wenn wir Menschen die Dunkelheit der Nacht durch Nutzung von künstlichem Licht erhellen und somit verschmutzen, müsste dieses Phänomen eigentlich „Dunkelheitsverschmutzung“ heißen und nicht Lichtverschmutzung. Dennoch hat sich Lichtverschmutzung als Begriff durchgesetzt und passt genau genommen auch. Denn es wird tatsächlich ein Licht verschmutzt: nämlich das der Nacht. Selbst an den dunkelsten Orten dieser Welt ist die Nacht nicht 100 %ig dunkel. Es herrscht immer eine gewisse Grundhelligkeit.

Herbeigeführt wird diese durch das Licht der Milliarden Sterne, die uns aus dem All entgegenfunkeln. Hinzu kommt das Licht des Mondes und das der Planeten unseres Sonnensystems. Darüber hinaus trägt auch noch das schwache Selbstleuchten unserer Erdatmosphäre zur Aufhellung der Nächte bei. Dieser Prozess wird als „Airglow“ bezeichnet. Er entsteht durch komplexe chemische Prozesse in der Atmosphäre (in ca. 80 bis 300 km Höhe), die dort tagsüber durch Sonneneinstrahlung angeregt werden. Das harte UV-Licht der Sonne spaltet tagsüber Sauerstoffmoleküle in atomaren Sauerstoff auf. Dieser rekombiniert dann nachts ganz langsam wieder zu molekularem Sauerstoff. Infolge wird ein schwaches Licht abgestrahlt. Die Atmosphäre leuchtet bzw. leuchtet nach.

Seit mehr als 13 Milliarden Jahren sorgen also die Gestirne dafür, dass es eine völlig dunkle Nacht auf unserem Planeten nicht gibt. Und genau diese dezente, natürliche Grundhelligkeit des Nachthimmels verschmutzen wir durch die Einbringung von Kunstlicht.

Lichtverschmutzung ist also die Verschmutztung der natürlichen Grundhelligkeit der Nacht durch Kunstlicht.

Und das tun wir Menschen immer exzessiver …

 

„Was das Mikroplastik in unseren Meeren, Seen und Böden, ist das Kunstlicht in unserer Atmosphäre!“

– Paten der Nacht –

Ursachen der Lichtverschmutzung

Ende des 19. Jahrhunderts begannen wir Menschen den Nachthimmel systematisch aufzuhellen. Denn die elektrische Beleuchtung wurde erfunden. Anfang des 20. Jahrhunderts war der Nachthimmel dann erstmals signifikant aufgehellt von der immer größer werdenden Zahl an Straßenlaternen. Jeder weitere Technologiesprung intensivierte diese Aufhellung. Den Höhepunkt markiert derzeit die LED-Technik. Die extrem geringen Herstellungskosten bei gleichzeitig enorm hoher Energie-Effizienz (d.h. hohe Leuchtdichte bei kleinem Energieverbrauch) führen zu einem regelrechten Boom. Heutzutage wird sie nahezu inflationär eingesetzt. Die LED steht für Wohlstand und technischen Fortschritt. Alles und überall wird beleuchtet. Hell und die ganze Nacht hindurch.

Schon lange dient Licht nicht mehr nur der Sicherheit (Wege- und Straßenbeleuchtung), sondern wird für die Ausübung von Freizeitaktivitäten genutzt (z.B. Fußballplatzbeleuchtung, Nachtskifahren/-rodeln, Open-Air-Veranstaltungen, Konzerte). Vor allem aber exzessiv als Werbebeleuchtung. Aber auch immer umfangreicher als reine Zierbeleuchtung. So werden Häuser, Gebäude, Kirchtürme, Fassaden und Brücken dauerbeleuchtet sowie Bäume, Sträucher, Hecken, Gärten und Teiche mit hellem Licht in Szene gesetzt. Immer mehr und immer länger. Zudem leuchten Unmengen an Licht fehlgelenkt am eigentlichen Ziel vorbei und sind damit pure Verschwendung (Licht, Energie, CO2).

Beleuchtungswahnsinn“ kann man das nennen, was wir Menschen da mittlerweile Nacht für Nacht betreiben. Das völlige Übermaß an Beleuchtung kommt Heizen bei offenem Fenster gleich.

Die Ursachen der Lichtverschmutzung rühren also von unserem verschwenderischen, gedankenlosen Umgang mit nächtlichem Kunstlicht her – angetrieben von der Situation, dass Lichtmachen noch nie so wenig kostete wie heutzutage.

Lichtglockenbildung

Dieser aus unseren Städten, Dörfern und Industriegebieten (direkt oder indirekt durch Reflexionen) in den Himmel abgestrahlte Lichtmüll „reagiert“ mit unserer Erdatmosphäre. Das Licht wird dort oben nämlich an den Partikeln der Luft gestreut. Und zwar umso intensiver, je mehr Blauanteile in ihm stecken. So bilden sich die riesigen diffusen Lichtglocken über besiedelten Gebieten. Dort ist es teilweise über 4000 % heller im Vergleich zum natürlich dunklen Nachthimmel. Hunderte Kilometer weit leuchten diese Lichtglocken und erhellen selbst dort die Nacht, wo es eigentlich noch dunkel wäre.

Ganz besonders hell erscheinen uns dabei diejenigen Lichtglocken am Horizont, die von überwiegend weißlichem Licht herrühren. Denn bei ausreichender Umgebungs-Dunkelheit wird bei uns Menschen stets das „Nachtsehen“ in den Augen angeregt (auch skotopisches Sehen oder „Stäbchensehen“ genannt) und infolge erscheinen uns dann diese Lichtglocken heller als sie eigentlich sind. In der Ferne überwiegt dieser Effekt. Lokal aber eher der Streueffekt der Blauanteile.

 

Die Nächte werden
heller und heller ...
Weltweit: ca. 2-3 % pro Jahr. In Europa: ca. 5-6% pro Jahr.

Bild-Quelle: NASA / VIIRS

Entwicklung der Lichtverschmutzung

Kunstlicht wird immer effektiver und effizienter. Die Kosten für Licht sind rasant gesunken: Muss ein Arbeiter heutzutage etwa 10 Minuten seiner jährlichen Arbeitszeit für seine Lichtkosten aufbringen, so musste dafür ein Arbeiter um das Jahr 1880 für die gleiche Menge an Licht fast ein ganzes Jahr lang arbeiten. Kaum etwas ist in den letzten 150 Jahren derart im Preis gesunken wie die Kosten für Licht. Deswegen wird Licht mittlerweile exzessiv genutzt. Das erhellt nicht nur immer massiver den Nachthimmel, sondern verschlingt auch riesen Mengen Energie. Alleine in Europa summieren sich die Kosten für nutzlos verschwendetes Licht auf circa 20 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Zunahme der Lichtverschmutzung ist besorgniserregend. Und sie nimmt auch immer weiter zu. Nämlich:

  • weltweit um ca. 2 bis 3 Prozent pro Jahr

  • europaweit um ca. 5 bis 6 Prozent pro Jahr

„Keine andere Ressource in der Menschheitsgeschichte ist in so kurzer Zeit so günstig und effizient geworden wie das Licht.“

– Paten der Nacht –

Die nachfolgende Lichtverschmutzungs-Karte von Europa offenbart eindrucksvoll,
welches Ausmaß der nächtliche Beleuchtungswahnsinn innerhalb von nur zwei Jahrzenten angenommen hat.

Die Bewegung des weißen Schiebereglers visualisiert den Unterschied zwischen 1992 und 2010 und lässt so die enorme Helligkeitssteigerung der Nächte über Europa sichtbar werden. Deutschland ist in Hellrot hervorgehoben.

(Die beiden Fotos wurden von DMSP-Satelliten aufgenommen, die zu einem Wettersatelliten-Programm der US-amerikanischen Streitkräfte gehören).
[Bildquelle: NGDC/DMSP/ESA. Bildeditierung & Animation: abenteuer-sterne.de]

Um diese Lichtverschmutzungs-Karte groß betrachten zu können, klicken Sie bitte HIER

 

Folgen der Lichtverschmutzung

Unser Umgang mit Kunstlicht bzw. der mittlerweile exzessive Einsatz von nächtlichem Kunstlicht hat erheblichen Einfluss auf Umwelt, Mensch und Natur. Das gesamte Ökosystem ist bedroht. Und damit wir Menschen, weil wir am Ende der Nahrungskette stehen.

Warum und in welchem Umfang die Lichtverschmutzung schadet, zeigen wir Ihnen hier:

Allgemeiner Hinweis: Alle Inhalte entsprechen dem aktuellen Stand (2022) der Forschung im jeweiligen Bereich.

Die EARTH NIGHT:
Eine von uns im Jahr 2020 initiierte Aktion gegen Lichtverschmutzung, die jedes Jahr im September zu Neumond stattfindet.

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