paten-der-nacht.de

Ein Projekt zur Eindämmung der Lichtverschmutzung

paten-der-nacht.de ist ein Projekt zur Reduzierung der Lichtverschmutzung in Deutschland. Zu diesem Zweck ist diese Internetseite entwickelt worden und zeitgleich ein Info-Flyer. Diesen versuchen wir – eine Gruppe ehrenamtlich tätiger Leute – seit September 2019 möglichst großflächig in Deutschland zu verteilen.

Wir wollen aufklären, was Lichtverschmutzung ist und wie sie entsteht. Wir wollen ein Problembewusstsein dafür schaffen, welch gravierende Folgen die Lichtverschmutzung für Menschen, Tiere, Pflanzen und Umwelt hat. Doch wir wollen auch aufzeigen, dass mit relativ einfachen Maßnahmen Lichtverschmutzung effektiv reduziert werden und dabei wirklich jeder mithelfen kann.

Was ist Lichtverschmutzung?

Unter Lichtverschmutzung (auch Lichtmüll oder Lichtsmog genannt) versteht man die Aufhellung des Nachthimmels durch menschengemachtes künstliches Licht.

Der Begriff Lichtverschmutzung klingt im ersten Moment etwas unverständlich. Verschmutzt Kunstlicht nicht eher die Dunkelheit? Doch es wird tatsächlich ein Licht verschmutzt. Nämlich das, das die Milliarden Sterne nachts um uns herum erzeugen sowie das unseres Mondes und auch das der Planeten unseres Sonnensystems. Hinzu kommt noch das schwache Selbstleuchten unserer Erdatmosphäre (auch als „Airglow“ bezeichnet). Es entsteht durch komplexe chemische Prozesse in der Atmosphäre (in ca. 80 bis 300 km Höhe), die dort tagsüber durch Sonneneinstrahlung angeregt werden. Das harte UV-Licht der Sonne spaltet tagsüber Sauerstoffmoleküle in atomaren Sauerstoff auf. Dieser rekombiniert dann nachts ganz langsam wieder zu molekularem Sauerstoff. Infolge wird ein schwaches Licht abgestrahlt. All dieses Licht sorgt für eine natürliche Helligkeit des Nachthimmels. Und genau dieses Licht verschmutzen wir.

Beleuchtungswahnsinn

Ende des 19. Jahrhunderts begannen wir Menschen den Nachthimmel systematisch aufzuhellen. Denn die elektrische Beleuchtung wurde erfunden. Anfang des 20. Jahrhunderts war der Nachthimmel dann erstmals merklich aufgehellt von der immer größer werdenden Zahl an Straßenlaternen. Jeder weitere Technologiesprung intensivierte diese Aufhellung. Den Höhepunkt markiert derzeit die LED-Technik. Die extrem geringen Herstellungskosten bei gleichzeitig enorm hoher Energie-Effizienz (d.h. hohe Leuchtdichte bei kleinem Energieverbrauch) führen zu einem regelrechten Boom. Heutzutage wird sie nahezu inflationär eingesetzt. Die LED steht für Wohlstand und technischen Fortschritt. Alles und überall wird beleuchtet. Hell und die ganze Nacht hindurch.

Schon lange dient Licht nicht mehr nur der Sicherheit (Wege- und Straßenbeleuchtung), sondern wird für die Ausübung von Freizeitaktivitäten genutzt (z.B. Fußballplatzbeleuchtung, Nachtskifahren/-rodeln, Open-Air-Veranstaltungen, Konzerte). Vor allem aber exzessiv als Werbebeleuchtung. Aber auch immer umfangreicher als reine Zierbeleuchtung. So werden Häuser, Gebäude, Kirchtürme, Fassaden und Brücken dauerbeleuchtet sowie Bäume, Sträucher, Hecken, Gärten und Teiche mit hellem Licht in Szene gesetzt. Immer mehr und immer länger.

Durch diesen „Beleuchtungswahnsinn“ im Dauermodus werden Unmengen an Licht – auf direktem, aber auch indirektem Weg  – nutzlos in die Landschaft und in den Himmel gestrahlt. Das Ganze kommt Heizen bei offenem Fenster gleich. Pure Verschwendung also. Und unsere Nächte werden heller und heller.

Lichtglockenbildung

Dieser aus unseren Städten, Dörfern und Industriegebieten (direkt oder indirekt durch Reflexionen) in den Himmel abgestrahlte Lichtmüll „reagiert“ mit unserer Erdatmosphäre. Das Licht wird dort oben nämlich an den Partikeln der Luft gestreut. Und zwar umso intensiver, je mehr Blauanteile in ihm stecken. So bilden sich die riesigen diffusen Lichtglocken über besiedelten Gebieten. Dort ist es teilweise über 4000 % heller im Vergleich zum natürlich dunklen Nachthimmel. Hunderte Kilometer weit leuchten diese Lichtglocken und erhellen selbst dort die Nacht, wo es eigentlich noch dunkel wäre.

Ganz besonders hell erscheinen uns dabei diejenigen Lichtglocken am Horizont, die von überwiegend weißlichem Licht herrühren. Denn bei ausreichender Umgebungs-Dunkelheit wird bei uns Menschen stets das „Nachtsehen“ in den Augen angeregt (auch skotopisches Sehen oder „Stäbchensehen“ genannt) und infolge erscheinen uns dann diese Lichtglocken heller als sie eigentlich sind. In der Ferne überwiegt dieser Effekt. Lokal aber eher der Streueffekt der Blauanteile.

 

Die Nächte werden
heller und heller ...
Weltweit: ca. 2-3 % pro Jahr. In Europa: ca. 5-6% pro Jahr.

Entwicklung der Lichtverschmutzung

Kunstlicht wird immer effektiver und effizienter. Die Kosten für Licht sind rasant gesunken: Muss ein Arbeiter heutzutage etwa 10 Minuten seiner jährlichen Arbeitszeit für seine Lichtkosten aufbringen, so musste dafür ein Arbeiter um das Jahr 1880 für die gleiche Menge an Licht fast ein ganzes Jahr lang arbeiten. Kaum etwas ist in den letzten 150 Jahren derart im Preis gesunken, wie die Kosten für Licht. Deswegen wird Licht mittlerweile exzessiv genutzt. Das erhellt nicht nur immer massiver den Nachthimmel, sondern verschlingt auch riesen Mengen Energie. Alleine in Europa summieren sich die Kosten für nutzlos verschwendetes Licht auf circa 20 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Zunahme der Lichtverschmutzung ist besorgniserregend. Und sie nimmt auch immer weiter zu. Nämlich:

  • weltweit um ca. 2 bis 3 Prozent pro Jahr

  • europaweit um ca. 5 bis 6 Prozent pro Jahr

Die nachfolgende Lichtverschmutzungs-Karte von Europa offenbart eindrucksvoll,
welches Ausmaß der nächtliche Beleuchtungswahnsinn innerhalb von nur zwei Jahrzenten angenommen hat.

Die Bewegung des weißen Schiebereglers visualisiert den Unterschied zwischen 1992 und 2010 und lässt so die enorme Helligkeitssteigerung der Nächte über Europa sichtbar werden. Deutschland ist in Hellrot hervorgehoben.

(Die beiden Fotos wurden von DMSP-Satelliten aufgenommen, die zu einem Wettersatelliten-Programm der US-amerikanischen Streitkräfte gehören).
[Bildquelle: NGDC/DMSP/ESA. Bildeditierung & Animation: abenteuer-sterne.de]

Um diese Lichtverschmutzungs-Karte groß betrachten zu können, klicken Sie bitte HIER

 

Folgen der Lichtverschmutzung

Unser Umgang mit Kunstlicht bzw. der mittlerweile exzessive Einsatz von nächtlichem Kunstlicht hat erheblichen Einfluss auf Umwelt, Mensch und Natur. Das gesamte Ökosystem ist bedroht. Und weil wir Menschen am Ende der Nahrungskette stehen, sind auch wir bedroht.

Warum und in welchem Umfang die Lichtverschmutzung schadet, zeigen wir Ihnen HIER (Folgen der Lichtverschmutzung).

Hinweis: Alle Inhalte entsprechen dem aktuellen Stand (2019) der Forschung im jeweiligen Bereich.

„Was das Mikroplastik in unseren Meeren, Seen und Böden, ist das Kunstlicht in unserer Atmosphäre!“

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